31. Dezember 2025

La Grande Gala
du Champagne

Das Silvester-Festessen von LES BULLES

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Original in französischer Sprache (als PDF).


Die Moral einer Flasche Champagner

von Honoré de Balzac

In vino veritas
Weisheit

Er war reich an Geist und arm an Geld; zum Dîner gönnte er sich feine Worte, er kleidete sich in Traktaten, wohnte in Romanen, schlug sich mit den Trinkgeldern vom Possenreissen durchs Leben, um endlich nach der Feder zu greifen, wenn ihn der schnöde Mammon gänzlich verlassen hatte; bref, er lebte jenes Künstlerleben, das die Genüsse der Gegenwart aus den Einnahmen der Zukunft bezahlt.

Nur zu leben, genügt aber nicht; passabel muss man leben. Das gelang ihm wohl. Doch ist auch dies nicht ausreichend: Man muss die Früchte seiner nächtlichen Arbeit gekonnt anlegen. Genau das versuchte er.

Bedrängt von dummen Gläubigern, die keinen Zahlungsaufschub auf eine kreative Idee oder den erhabenen Schluss eines Theaterstücks gewähren, ging er aus, liess seinen Geldbeutel, der leer war, zuhause und packte stattdessen ein Manuskript ein, das voll war – voll von Esprit.

Mit seinem Vermögen unter dem Arm machte er sich auf den Weg, um die Rechnungen eines dieser Literaturmarktschreier, die man Verleger nennt, zu begleichen, Leute, die als Beschützer der Künste und Förderer der Talente gelten, da sie ihnen die Gnade erweisen, sie zu bereichern, oder sie auf eigene Kosten zugrunde gehen lassen. Geldwucher gilt als etwas Niedriges; geistiger Wucher ist eine sehr angesehene Form der Spekulation. Letztlich ist es nichts anderes, als bedrucktes Papier gegen ein anderes, datiertes Papier namens Wechsel einzutauschen, und wenn der Künstler bei Fälligkeit seinen Text abliefert, gibt es nichts zu beanstanden.

Um jedoch das erstickende Herzklopfen der Ungewissheit zu vermeiden, stellte unser Künstler die Zukunft in Frage. Für ihn war die Zukunft dieser Mann, der kühl die Goldstücke zählte, die ihm die Arbeit eines anderen einbringen würde, der lange nachdachte, schwer und schweigend, und der nach und nach zu jenem Lächeln fand, das man in Erwartung eines Erfolgs aufsetzt – und der schliesslich aufgrund der Gewissheit des erwartungsgemässen Ergebnisses seine Vertragsunterschrift anbot.

Die Unterschrift eines ehrenhaften Mannes ist die beste Hypothek, sagte sich der Künstler. Doch es bleibt die Frage, ob unser Mann ehrenhaft ist.

Da der Eindruck, den er nach physiognomischer Prüfung erlangte, nichts beitragen konnte, seine Zweifel zu beseitigen, verschob unser Künstler den Abschluss des Geschäfts auf nach dem Abendessen.

Zwischen Männern, die bereit sind, einen Vertrag zu unterschreiben, ist die Beziehung äusserst angenehm. Da die Verhandlungen sich noch im Stadium der Hoffnungen befanden, konnte jeder das bessere Ergebnis für sich beanspruchen. Auch das Dîner war erlesen und ausgedehnt, die Unterhaltung lebhaft und geschärft. Gekühlter Champagner wurde serviert und in raschen Zügen getrunken, und weder Champagner noch Gespräch versiegten, denn der Künstler verstand es, es durch die Lebhaftigkeit seiner Pointen fröhlich aufrechtzuerhalten; während sein Gegenüber, schwer geworden vom Dampf des Alkohols, allmählich nur noch mit einem einsilbigen Lachen antwortete.

Jetzt schlug dem Verleger die Stunde der Offenheit; der Künstler belauerte ihn schon lange.

«Letztendlich», sagte der Künstler, indem er das Thema, mit welchem Gespräch das begonnen wurde, brüsk änderte, «was ist das Geheimnis des Lebens, wenn nicht die Fähigkeit, gut zu leben, zu wissen, wie man – gleich mit welchem Mittel – die Möglichkeit erlangt, alle Bedürfnisse einer kostspieligen Zivilisation zu befriedigen?»

«Zweifel-los!», war die Antwort, die ein Schluckauf in zwei teilte.

«Eine einzige Sache hält viele Menschen noch zurück: Es ist dieses Vorurteil der Ehre… der Redlichkeit…»

«Das ist die Ausrede all jener Narren, die unfähig sind, ein Vermögen zu machen.»

«Nun ja, durch das geringe Opfer, im Ruf zu stehen, ein Mensch zu sein», sagte der Künstler mit tiefer Stimme und unerbittlichem Blick auf seinen Gesprächspartner, «habe ich nach zwei Jahren ein unfehlbares Mittel gefunden, ein unermessliches Vermögen zu machen!»

«Wie denn! …», rief der Verleger plötzlich aus, während er sich fast auf ihn stürzte.

Indem der Künstler sein Manuskript wieder an sich nahm, Beschied er ihm: «Ich habe die Ehre, mich zu verabschieden.»

20. Oktober 1831

Aus dem Buch Les dîners de Gala von Salvador Dalì

21.-23. & 28.-30. November

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